Wenn die Pflegeabrechnung zur Ermittlungsakte wird: Strafverfahren wegen Abrechnungsbetrug gegen Pflegestationen und wie eine kluge Verteidigung früh schützt

Ein Strafverfahren wegen Abrechnungsbetrug gegen Pflegestationen trifft Einrichtungen oft völlig unerwartet. Häufig beginnt es mit einer Prüfung durch Pflegekassen oder den Medizinischen Dienst, mit Rückfragen zu Touren, Leistungsnachweisen oder Zeitprofilen. Manchmal steht am Anfang auch eine Anzeige aus dem Umfeld, etwa nach einer Kündigung oder im Rahmen eines Konkurrenzkonflikts. Aus einem Prüfverfahren wird dann schnell ein strafrechtlicher Vorwurf: Es sollen Leistungen abgerechnet worden sein, die so nicht erbracht, nicht in der abgerechneten Qualität durchgeführt oder nicht korrekt dokumentiert worden seien. Für Pflegedienste ist das besonders gefährlich, weil neben dem Strafverfahren fast immer existenzielle Nebenfolgen drohen, etwa Rückforderungen, Vertrauensverlust bei Kostenträgern und Probleme bei der weiteren Zulassung.

Gerade in dieser Situation entscheidet die frühe Weichenstellung über den Verlauf. Rechtsanwalt Andreas Junge ist bundesweit als Strafverteidiger tätig. Er ist Fachanwalt für Strafrecht und zertifizierter Berater für Steuerstrafrecht. In komplexen Abrechnungs- und Wirtschaftsstrafverfahren setzt er auf eine ruhige, strukturierte Verteidigung, die Aktenlage und Beweise präzise prüft, Vorwürfe eingrenzt und Verfahren – wo möglich – diskret beendet.

Was „Abrechnungsbetrug“ bei Pflegestationen strafrechtlich bedeutet

Der Begriff Abrechnungsbetrug ist kein eigener Straftatbestand. Strafrechtlich wird in der Regel Betrug nach § 263 StGB geprüft. Der Vorwurf lautet vereinfacht, dass durch unrichtige Angaben gegenüber Pflegekassen oder Kostenträgern ein Vermögensvorteil erlangt wurde, der nicht zustehe. Je nach Umfang und Ausgestaltung kann auch ein besonders schwerer Fall nach § 263 Abs. 3 StGB im Raum stehen, wenn Ermittler beispielsweise ein systematisches Vorgehen oder hohe Schadenssummen annehmen.

In der Praxis spielt außerdem die Einziehung nach §§ 73 ff. StGB eine große Rolle. Selbst wenn eine Strafe am Ende überschaubar ist, kann die Abschöpfung angeblicher Taterträge wirtschaftlich massiv sein, weil sie häufig über viele Abrechnungszeiträume gerechnet wird.

Wie Strafverfahren gegen Pflegedienste typischerweise beginnen

Viele Ermittlungen starten nicht mit einem großen Zugriff, sondern mit Auffälligkeiten. Pflegekassen und Prüfer vergleichen Dokumentation, Leistungsnachweise, Tourenplanung, Zeitfenster und Abrechnungsziffern. Wenn Unstimmigkeiten auftauchen, wird nachgefragt, und bei fehlender Plausibilität kann der Vorgang an Ermittlungsbehörden abgegeben werden.

Kommt es zu einem Strafverfahren, wird häufig sehr schnell umfangreich ermittelt. Typisch sind Durchsuchungen, die Sicherstellung von Patientenakten, Dienstplänen, Mobiltelefonen und digitalen Systemen. Gerade weil der Pflegebetrieb auf funktionierende Abläufe angewiesen ist, kann schon die Beschlagnahme der Unterlagen existenziellen Druck erzeugen. Umso wichtiger ist ein kontrolliertes Vorgehen, das nicht hektisch reagiert, sondern die Akte kennt und strukturiert arbeitet.

Typische Konstellationen bei Abrechnungsbetrug in Pflegestationen

In vielen Verfahren geht es um den Vorwurf, Leistungen seien abgerechnet worden, obwohl sie nicht erbracht wurden. Das kann einzelne Einsätze betreffen oder ganze Zeiträume, wenn Ermittler glauben, es gebe ein System. Häufig steht die Dokumentation im Mittelpunkt. Wenn Leistungsnachweise lückenhaft, nachgetragen oder widersprüchlich sind, wird daraus schnell ein Betrugsverdacht konstruiert, selbst wenn die Pflege tatsächlich stattgefunden hat.

Ebenso häufig geht es um die Abrechnung höherwertiger Leistungen. Ermittler prüfen dann, ob die konkrete Qualifikation vorlag, ob die Leistung in der geforderten Form erbracht wurde oder ob lediglich ein geringerer Leistungsumfang stattgefunden hat. Auch die Frage, ob Zeiten realistisch sind, spielt eine große Rolle, etwa wenn Touren so geplant sind, dass die abgerechneten Leistungen in der behaupteten Zeit praktisch kaum möglich erscheinen.

Ein weiterer Klassiker sind Unterschriften und Bestätigungen. Wenn Patienten oder Angehörige nicht unterschrieben haben, wenn Unterschriften fehlen oder wenn Bestätigungen nachträglich eingeholt wurden, entsteht schnell ein Verdacht, der später weitreichend aufgeblasen werden kann. In der Praxis ist dabei entscheidend, was tatsächlich passiert ist und was beweisbar ist, denn nicht jeder Dokumentationsmangel ist automatisch ein Betrug.

Die möglichen Folgen: Warum solche Verfahren Pflegedienste besonders hart treffen

Ein Strafverfahren wegen Abrechnungsbetrug ist für Pflegestationen deshalb so gefährlich, weil es parallel finanzielle und strukturelle Risiken auslöst. Häufig drohen Rückforderungen über lange Zeiträume, manchmal auch Vertrags- und Zulassungsprobleme, wenn Kostenträger die Zusammenarbeit infrage stellen. Strafrechtlich drohen Geldstrafen oder Freiheitsstrafen, abhängig von Umfang und Bewertung des Vorwurfs. Dazu kommen Einziehungsrisiken nach §§ 73 ff. StGB, die wirtschaftlich schnell existenzbedrohend werden können.

Hinzu kommen Reputationsrisiken. Pflegedienste sind auf Vertrauen angewiesen, sowohl bei Patienten als auch bei Angehörigen, Ärzten und Kooperationspartnern. Ein laufendes Verfahren kann dieses Vertrauen belasten, selbst wenn sich der Vorwurf später relativiert.

Was in der Verteidigung wirklich entscheidend ist

In Abrechnungsbetrugsverfahren entscheidet selten ein einzelnes Detail, sondern das Gesamtbild der Akte. Eine wirksame Verteidigung beginnt deshalb mit Akteneinsicht und einer präzisen Analyse: Welche Patienten und Zeiträume sind betroffen, wie wird der behauptete Schaden berechnet, welche Beweise liegen vor und welche Schlüsse ziehen die Ermittler daraus.

Ein zentraler Punkt ist die Differenzierung zwischen echter Falschabrechnung und Dokumentationsproblemen. In der Pflege sind Abläufe komplex, Teams wechseln, Notlagen entstehen, und Dokumentation ist in der Praxis nicht immer so „ideal“, wie Prüfsysteme sie voraussetzen. Strafrechtlich ist jedoch entscheidend, ob ein Vorsatz nachweisbar ist und ob sich eine Täuschung tatsächlich belegen lässt. Genau hier liegen häufig die wichtigsten Verteidigungsansätze, weil Ermittlungen anfangs oft pauschal argumentieren und die Realität des Pflegealltags nicht sauber abbilden.

Auch die Schadensberechnung ist ein Kernpunkt. Rückforderungen und „Taterträge“ werden häufig schematisch berechnet. Eine strukturierte Verteidigung prüft, ob Leistungen tatsächlich erbracht wurden, ob Alternativabrechnungen möglich gewesen wären und ob pauschale Hochrechnungen zulässig sind. Das ist in vielen Verfahren der Hebel, um die wirtschaftliche Dimension deutlich zu reduzieren.

Je nach Aktenlage kann es realistisch sein, auf eine Verfahrensbeendigung ohne öffentliche Hauptverhandlung hinzuarbeiten. Der Schlüssel liegt darin, nicht abzuwarten, sondern das Verfahren aktiv zu steuern.

Warum Rechtsanwalt Andreas Junge ein starker Ansprechpartner für Pflegestationen ist

Abrechnungsbetrug im Pflegebereich ist ein klassisches Schnittstellenthema aus Strafrecht, Abrechnungssystemen und wirtschaftlichen Folgefragen. Rechtsanwalt Andreas Junge ist bundesweit als Strafverteidiger tätig und als Fachanwalt für Strafrecht auf komplexe Strafverfahren spezialisiert. Als zertifizierter Berater für Steuerstrafrecht bringt er zusätzlich die Routine mit, umfangreiche Zahlenwerke, Abrechnungen und wirtschaftliche Auswirkungen präzise zu prüfen. Gerade bei Einziehung, Schadensberechnungen und Aktenmassen ist diese Kombination oft entscheidend.

Er steht für eine sachliche, diskrete und zielorientierte Verteidigung. Ziel ist es, Vorwürfe früh zu ordnen, Beweise kritisch zu prüfen und Pflegestationen wieder handlungsfähig zu machen.

Wie Pflegestationen nach dem ersten Vorwurf wieder Kontrolle gewinnen

Ein Strafverfahren wegen Abrechnungsbetrug gegen einen Pflegedienst ist ernst, aber nicht jede Auffälligkeit trägt strafrechtlich. Viele Verfahren hängen an Dokumentation, an Auslegungen und an der Frage, was tatsächlich nachweisbar ist. Wer früh die Kommunikation kontrolliert, keine vorschnellen Einlassungen macht und die Akte professionell prüfen lässt, kann den Verlauf häufig entscheidend beeinflussen.

Gerade weil es um Betrieb, Zulassung und Existenz gehen kann, lohnt sich eine Verteidigung, die ruhig bleibt und konsequent arbeitet.